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Abstracts |
Selbstveränderung ist eine der zentralen Aufgaben eines Gesellschaftssystems. Dazu muss ein Paradox bewältigt werden: das Neue ist anders, fremd und als solches reproduk-tionsbedrohend; zugleich muss Neues, Fremdes als selbstverständlich erscheinen, zum Eigenen gemacht werden; es muss "nostrifiziert" werden. Für Beobachter ist Ver-änderung banal; die sie leben, sehen sie als bedrohliches Ver-lassen der Normalität. Gesellschaft muss zugleich Selbst-ähnlichkeit, den Anschluss an sich selbst (das Verstehen der Generationen!), und Veränderung organisieren.
Drei Handlungszusammenhänge treten dabei in den Vordergrund: 1. die Grenze zu den Fremden, 2. die Austragung von Konflikten und 3. das Heraustreten aus dem Alltag durch soziale Bewegungen. Die Grenze ist keine abschließende Linie - auch wenn sie so inszeniert wird - sie ist eine komplex organisierte Zone der Kontaktaufnahme, des Austauschs und der Selektion von Menschen, Gütern und Ideen. Für Innovationsprozesse ist nicht nur die Grenze zu den anderen Fremden relevant, sondern auch die Grenze zu den "eigenen Fremden", der noch machtlosen Jugend. Die Bereitschaft sich auf die Selektionsprozesse einzulassen, die aus der andern Fremde und den Innovationen der Jugend ausgefiltert werden, ist entscheidend konditioniert durch die etablierten Prozesse der Konfliktaustragung. Wo diese Prozesse und Institutionen leistungsschwach sind, überwiegt die Angst vor dem Neuen.
Die eigentliche Aneignung des Neuen jedoch, setzt ein Heraustreten aus der Alltäglichkeit voraus. Rituale werden außer Kraft gesetzt, Machtpositionen werden zugunsten kooperativer Beziehungen vernachlässigt. Spontaneität und Geschwisterlichkeit setzen die Relevanzen des Alltags außer Kraft, weil ein fernes Ziel erstrebt wird. Die Vision des Fernen drängt die Wahrnehmung des Alltäglichen zurück. Das, was uns an charismatischen Bewegungen in der Fremde - an Cargo-Kulten z. B. auffällt, finden wir als große politische Bewegung, wie als Mikroform, auch in Industriegesellschaften. Auch hier ist es eine - immer riskante - Modalität der Selbstveränderung.