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Abstracts |
Handlungszusammenhänge und Orientierungsrahmen sind heute zunehmend globalisiert, sei es durch imaginäre und virtuelle Kontexte (v.a. in Zusammenhang mit den Medien) oder sei es durch interkulturelle Begegnungen und Beziehungen (durch Migration, Tourismus usw.). Auf den letzteren Bereich und auf die hier permanent auszuhandelnden transkulturellen Formen wird sich mein Vortrag beziehen, wobei der Umgang mit Geschlechterbildern und -rollen in interkulturellen Austauschprozessen im Mittelpunkt stehen soll.
Der ethnologische Beitrag zur interdisziplinären Interkulturalitätsforschung war bisher recht gering und neue Kulturtheorien fanden kaum Eingang in diesen Diskussionen. In den konventionellen Ansätzen des Faches "Interkulturelle Kommunikation" wird unter interkulturellen Handlungskompetenzen noch immer normiertes Wissen über die Art oder die Werthaltungen von Angehörigen anderer Nationalkulturen verstanden. Demgegenüber liegt die Stärke von neueren ethnographischen Beiträgen zur kulturwissenschaftlichen Globalisierungsdiskussion und Interkulturalitätsforschung darin, neue soziale Handlungsräume zu beschreiben, in denen Bedeutung entsteht und fortdauernd ausgehandelt wird, Identitäten geschaffen werden und dem Handeln Sinn verliehen wird. Dabei kann es niemals um geschlechtsneutrale Prozesse gehen. Vorstellungen von anderen Kulturen sowie alle interkulturellen Begegnungen und Beziehungen sind vom jeweiligen Verständnis der Interaktionspartner von Weiblichkeit und Männlichkeit mitbestimmt. Geschlechterrollen und Images beeinflussen also das Verhalten in interkulturellen Situationen. Zugleich wird - da Geschlecht als soziale Konstruktion in der Interaktion, im doing gender, hergestellt wird - die Bedeutung, die der Geschlechtszugehörigkeit zukommt, in der interkulturellen Interaktion auch immer wieder neu erzeugt. Hierin liegt das dynamische Moment, die Chance der Veränderung. Gibt es also zwischen den Geschlechtern in inter- und transkulturellen Kontakten neue Begegnungs-, Beziehungs- und Ausdrucksformen, hybride und fluide Strukturierungen, Übergänge, Transformationen? Wie verändern sich kulturelle geschlechtsspezifische Identitätskonstitutionen und -repräsentationen? Kommt es zur Auflösung von asymmetrischen Geschlechtsnormen?
Diesen Fragen werde ich im Vortrag am Beispiel meiner aktuellen Forschung in Indonesien über Beziehungsstrukturen zwischen reisenden Frauen und indonesischen Männern nachgehen.