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Abstracts |
Die These von der "MacDonaldisierung" der Welt entspricht einem Infektionsmodell, bei dem sich eine Krankheit weltweit epidemisch ausbreitet und die Opfer ihr mehr oder weniger passiv erliegen. Demgegenüber weisen Ethnologen seit langem auf die lokale Aneignung globaler Waren hin. Die letzteren breiten sich nicht einfach aus, sondern werden aktiv übernommen. Ihr Gebrauch und ihre Bedeutung ändern sich in einem aktiven Aneignungsprozeß. Dieser Prozeß wird auch als Hybridisierung, Kreolisierung, Métissage, usw. bezeichnet.
Dieser Ansatz hat das Verdienst, die Opferperspektive zu verlassen und die Übernahme als aktiven Aneignungsprozeß zu verstehen. Die Euphorie der Ethnologen über die Vitalität und Kreativität dieses Prozesses ist allerdings nicht immer gerechtfertigt. Wenn Hamburger in Indien mit Lamm- statt mit Rindfleisch hergestellt werden, wenn Altkleider in Afrika vor Gebrauch umgearbeitet werden, dann handelt es sich zwar um eine lokale Aneignung, aber man sollte dabei nicht aus dem Auge verlieren, daß MacDonald's dennoch weltweit eine Uniformität besitzt und daß auch umgearbeitete Altkleider noch etwas mit Altkleidern zu tun haben. Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Waren und (Gebrauchs)gütern. Wer global mit Waren handelt, ist in der Regel nicht an Gebrauch und Bedeutung interessiert, so daß eine lokale Sinngebung keine besonderes Leistung darstellt. Anders verhält es sich bei der gezielten Verbreitung von Sinn (Missionierung).
Aneignung kann Vieles bedeuten: Wegnahme, der auf der anderen Seite eine Enteignung entspricht, Nachahmung von mit Prestige behafteten Konsumgewohnheiten, Anpassung an lokale Gegebenheiten, hybride kulturelle Neuschöpfungen, usw. Wichtig wäre eine Typologie von Aneignungen. Aber diese reicht nicht aus. Wenn sich die Ethnologen nur auf die Beschreibung und Typologisierung der Aneignung konzentrieren, dann machen sie es sich in einer Nische ge-mütlich, aber sie werden an der Globalisierungsdebatte nur peripher teilnehmen. Aneignung muß im Rahmen einer Interaktion gesehen werden, diese wiederum im Rahmen einer Theorie der Modernisierung und Globalisierung.