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Abstracts |
Leitung Bettina E. Schmidt, Marburg und Lioba Rossbach de Olmos, Niederbrechen
In der diesjährigen Sitzung der Regionalgruppe Afroamerika kommen unterschiedliche Fragen und Regionen zur Sprache, in denen sich zwei große Tendenzen ausmachen lassen: die andauernde Verflechtung afroamerikanischer Gruppen und Religionsgemeinschaften sowie die Verflechtung von Ideen über Afroamerika.
Die erste Tendenz veranschaulicht, dass afroamerikanische Gesellschaften und Religionsgemeinschaften Fremdeinflüsse erlauben, die außerhalb ihrer bisherigen Erfahrungswelt liegen; zum Teil suchen sie diese sogar. Ideen und Vorstellungen, die ursprünglich einem afroamerikanischen Kontext entstammen, "reisen" mit afroamerikanischen Migranten und entfalten eine neue Dynamik auch in anderen Bevölkerungsgruppen. Insbesondere afroamerikanische Religionen sind schon lange nicht mehr auf Afroamerikaner beschränkt, sondern werden auch von Amerikanern anderer Herkunft und sogar in Europa praktiziert, wie die ersten drei Vorträge zeigen. Jane Pantkes Beitrag fragt unter anderem nach Motiven, welche die mehrheitlich afroamerikanische Bevölkerung der brasilianische Stadt Salvador da Bahia veranlaßt, dem afroamerikanischen Candomblé oder den Pfingstkirchen den Vorzug zu geben, während zugleich das Interesse von Touristen und Intellektuellen an der afroamerikanischen Religion steigt. Henning Herrmanns Beitrag zeigt, wie die - afrikanischen Vorgaben folgende - Einbindung von einflußreichen Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft oder Medizin dabei half, einem Terreiro in der Stadt Salvador de Bahia größtes Ansehen zu verschaffen. Lioba Rossbach de Olmos Beitrag belegt, dass Santería bereits in Deutschland und unter Deutschen ihre Anhänger hat.
Der zweite Teil veranschaulicht die zweite Tendenz, die Verflechtung von Ideen über Afroamerika. So begegnet man einer Rückbesinnung auf und Erinnerung an Afrika, die für die afroamerikanische Identitätsfindung von größter Bedeutung sind. Dabei werden "Konstruktionen" von Afrika vorgenommen, die keine Übereinstimmung mit dem realen vielfältigen Kontinent suchen, sondern sich den Erfordernissen der afroamerikanischen Identitätsbildung unterwerfen. "Afrika" wird in Amerika neu geschaffen, was wiederum eine Rückwirkung auf Afrika hat, wie die Vorträge im zweiten Teil veranschaulichen. In Katharina Schramms Vortrag wird deutlich, dass das Potential an afroamerikanischen Touristen und Investoren in Afrika als so groß eingeschätzt wird, dass es die Entstehung einer neuen Variante des Panafrikanismus in Afrika begünstigt. Thomas Reinhardt trifft im Identitätsdiskurs von nordamerikanischen Afroamerikanern auf ein "Afrika", das zu einer entterritorialisierten und zeitlosen Identifikationsmatrix geworden ist. Bettina E. Schmidt geht der Frage des Umgangs mit der Erinnerung an den atlantischen Sklavenhandel in Nord- und Lateinamerika nach und sucht nach Freiräumen, die über die Sklaverei hinweg die Konstruktion eines "afrikanischen" Raumes in Amerika ermöglichten.
Jane Pantke, Berlin
Die bahianische Gesellschaft zwischen Ekstase und Puritanismus
Henning Hermann, Marburg
Mãe Senhora: Candomblé und Politik
Lioba Rossbach de Olmos, Niederbrechen
Santería in Deutschland
Katharina Schramm, Berlin
Panafrikanismus als nationale Ressource: Das DuBois Centre in Ghana
Thomas Reinhardt, Frankfurt am Main
Afrika als Erinnerungsfigur
Bettina E. Schmidt, Marburg
Der Umgang mit der Vergangenheit: Der atlantische Sklavenhandel im kulturellen Gedächtnis von Afroamerikanern (ein Arbeitsbericht)
Werner Zips, Wien
"Pure Militancy": Bobo Shanti in der jamaikanischen Dancehall und im Motherland