Abstracts

 

Workshop

AG Ethnopädagogik

Ethnopädagogik als Sozialpädagogik ? Ethnopädagogische Ansätze für ein Bildungssystem des "21. Jahrhunderts"

Leitung Dr. Helga Unger-Heitsch

Der Workshop unternimmt eine Bestandsaufnahme und vorläufige Bewertung ethnologischer Inhalte und möglicher Einsätze von EthnologInnen im Bereich Vermittlung interkultureller Kompetenzen (schulisch u. außerschulisch).
Die sechs Beiträge des Workshops gehen von der These aus, dass der Erwerb interkultureller Kompetenz an schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen eine Schlüsselqualifikation in der ethnisch pluralen Gesellschaft ist. Ein österreichisches und ein deutsches Forschungsprojekt (Fillitz und Lütkes et al.) befassen sich mit Grundlagen und Vorschlägen zur Vermittlung multikultureller Kompetenzen im Unterricht. Dabei stellt sich heraus, dass die bisherige auf Monolingualität und kultureller Homoge-ni-tät beruhende Schulsituation in Österreich und Deutsch-land einen Gegensatz zum Lernziel Interkulturelles Lernen darstellt. In Münster unterrichten EthnologInnen des Vereins Ethnologie in Schule und Erwachsenenbildung (ESE) e.V. über ein Jahr hinweg im regulären Lehrplan zu ethnologischen Themen und überprüfen die Wirkung ihrer Inhalte und Methoden auf die SchülerInnen. Für die Schweiz zeigt der Beitrag von Allemann-Ghionda, dass trotz der Viersprachigkeit dieses Landes sprachlich-kulturelle Vielfalt für die Fächer und Anlässe der Lehrerinnenausbildung ein Imperativ bleibt. Die Wirksamkeit von Bildungssystemen kann noch erhöht werden, wenn Fähigkeiten der Pädagogen wie z.B. Selbstevaluation, Flexibilität und Innovationsbereitschaft in der LehrerInnenausbildung eingeübt werden. Im Referat wird ein Konzept vorgestellt, das die bisher marginale kulturelle Vielfalt in der LehrerInnen-Ausbildung auch in Deutschland verbessern würde. In Deutschland ist interkulturelle Kompetenz bisher eine Schlüsselqualifikation für SozialpädagogInnen gewesen, die sich seit Jahrzehnten in Bereichen der Migrationssozialarbeit und der Beteiligung am Aufbau von sozialer Arbeit in anderen Ländern engagieren. Im Curriculum der Fachhochschulen haben sich diese Arbeitsfelder aber dennoch nur am Rande etabliert. Frau Giebeler von der FH Bielefeld stellt den neuen Studienschwerpunkt ihres Fachbereichs vor und diskutiert die Grundlagen einer globalen sozialen Arbeit. Vor diesem Hintergrund thematisiert Frau Seithel (Werkstatt 3 Bildungswerk Hamburg) die Rolle von EthnologInnen im Bereich Globalen Lernens. Sie stellt das Bildungsangebot eines Schulcafés vor, welches seit 1996 Hamburger SchülerInnen aller Jahrgangsstufen ein umfangreiches Bildungsangebot an außerschulischen Lernorten anbietet. Im Vortrag werden Fragen zu Organisation, bildungspolitischen Bedingungen und inhaltlicher Konzeption behandelt und der Stellenwert von ethnologischer Ausbildung und Fachkenntnissen für Programmkonzeption und Managagementaufgaben diskutiert. Der Workshop schließt mit einem Kurzbeitrag von Frau Unger-Heitsch (DGV) zum klassischen außerschulischen Lernort für die Arbeit am Fremden, dem Völkerkundemuseum. Hierin wird der Bezug zum Lehrplan evaluiert und mit anderen europäischen Ländern verglichen.
Der Workshop der AG Ethnopädagogik dient weiterhin dem Ziel, verschiedene Wissenschaftsebenen miteinander zu vernetzen, damit der Einsatz der EthnologInnen für und in unseren Bildungseinrichtungen effizienter wird. Er setzt sich kritisch mit der gesellschaftlichen Relevanz des Faches Ethnologie auseinander.

ZURÜCK