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CALL FOR PAPERS
„Kindheit und Migration”
Universität Hamburg, 4. Oktober 2003
Workshop der AG Migration, Multikulturalität
und Identität
im Rahmen der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde
e.V.
(2. bis 4. Oktober 2003)
Kinder und ihre Sichtweisen sind ein in der sozial- und kulturwissenschaftlichen
Migrationsforschung bislang weitgehend vernachlässigtes Thema. Sicher
ist aber, dass die in der Kindheit stattfindende Prägung kultureller
Identität im Migrationsprozess entscheidend ist für den weiteren
Verlauf sozialer und kultureller Integration im Jugend- und Erwachsenenalter.
Die Erforschung dieser Prozesse in der Kindheit ist deshalb nicht nur
von besonderem wissenschaftlichen Wert, sondern sie kann auch wichtige
Impulse geben für die politische Gestaltung des Integrationsverlaufes
seitens der Zielgesellschaft.
Im Kontext der Erforschung von Migration und Multikulturalität seitens
verschiedener Disziplinen sind Konzepte entwickelt worden, die (neu entstehende)
„Mischformen“ von Kultur und kultureller Identität begrifflich
einzuordnen versuchen (Hybridität, Kreolität, Transnationalität,
Globalität etc.). Treffen solche Konzepte auch auf die Realität
migrierender Kinder zu oder ist ihre Kulturauffassung dynamischer und
flexibler als es die Konzepte der Forscher einerseits und der erforschten
Erwachsenen im Migrationsprozess andererseits vermuten lassen?
Der Workshop legt den Schwerpunkt auf die Frage, wie Kinder selbst Migration
erleben. Dabei soll zunächst geklärt werden, ob Kinder kulturelle
Identität überhaupt für sich definieren und wahrnehmen.
Ihre Sicht auf ihre Herkunftskultur und die Zielgesellschaft soll erläutert
werden. Welche sozialen und kulturellen Veränderungen beobachten
Kinder bei sich und ihrer Familie? Nehmen sie durch sie selbst initiierte
Veränderungen in ihrer neuen Umgebung wahr und wie bewerten sie diese?
Inwieweit wird eine Beziehung zur Herkunftsgesellschaft aufrecht erhalten,
wie verändert sich diese im Migrationsverlauf und wie wird sie konkret
gestaltet?
Es soll der Frage nachgegangen werden, wie Kinder eine Identität
konstruieren, die sowohl ihren Erfahrungen in der Herkunftsgesellschaft
und im Elternhaus als auch den neuen Erfahrungen in der Aufnahmegesellschaft
Rechnung trägt. Wie nutzen Kinder hierfür bereits vorhandene
Institutionen bzw. schaffen sie sich neue? Welche Rolle spielen dabei
die jeweiligen spezifischen kulturellen Hintergründe der Herkunftsgesellschaft
und die der Zielgesellschaft? Welchen sinnlich fassbaren Ausdruck verschaffen
sie diesen Prozessen kultureller Orientierung (Musik, Mode, Sport)? Auch
die Rolle des Migrationsmotivs (Flucht, Arbeitsmigration etc.) beeinflusst
die Ausprägung kultureller Identität in der Migration. Wie konstruieren
Kinder auf diesem Hintergrund ein Bewusstsein von Heimat und Herkunft?
Welche Rolle spielen dabei soziale Milieus und peer groups und wie verhält
sich die Rolle der Sozialisation hierzu? Wie erleben und verarbeiten Kinder
Fremdenfeindlichkeit und mangelnde Akzeptanz? Welche geschlechtsspezifischen
Unterschiede gibt es hinsichtlich der Konstruktion von Identität
im Verlauf des Migrationsprozesses?
Der Workshop soll Forscher aus verschiedenen sozial- und kulturwissenschaftlichen
Disziplinen zusammenführen, die zu den genannten Fragestellungen
forschen und ihre Ansätze und Ergebnisse in Form von Vorträgen
vorstellen. Im Anschluss an die Tagung ist eine Publikation auf der Grundlage
der Vorträge vorgesehen.
Wer im Rahmen des Workshops einen Vortrag halten möchte, wird gebeten,
Titel des Vortrages sowie einen Abstract (nicht mehr als 1 Seite!) an
die Vorsitzende der AG MMI zu senden (s.u.).
Dr. Jacqueline Knörr
Max Planck-Institut für ethnologische Forschung
Advokatenweg 36
06114 Halle/Saale
E-Mail: knoerr@eth.mpg.de
Tel.:+49-345-2927 128
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